Bolex D16 – Wird der Traum doch wahr?

Bolex D16 – Wird der Traum doch wahr?

 

Über Interna erfahren wir Nutzer ja bekanntlich als Letzte. Als von einer Insolvenz Kodaks gesprochen wurde, nervte ich meine Freunde in Diskussionen darüber, wie so ein Unternehmen pleite gehen kann. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass diese Firma den Anschluss an das digitale Zeitalter schlicht verpennt hat. Und um auf Schrotttechnik aus Fernost einen lizensierten „Kodak“-Aufkleber zu pappen ist ja nicht das selbe.

„Die haben Film hergestellt, warum bauen sie nun nicht irgendwelche Super-Sensoren??!!?“ war meine große Frage. Und? Warum baut Kodak keine anständigen Sensoren? Tun sie doch?

Jetzt schlägt endlich die Bolex D16 Wellen. Wie Kodak war auch Bolex bekannter Hersteller in der Filmindustrie. Nicht von Film, aber von Filmkameras. Neue Kameras werden seit Jahren nicht mehr entwickelt, aber es gibt noch immer einige Techniker, die Reparaturen durchführen bzw. neue Kameras aus alten Teilen zusammen bauen. Ich stehe auf alten Kram und habe eine Bauer Super-8-Kamera und hatte immer den Traum einer eigenen Bolex 16mm-Kamera. Diese klassischen Geräte haben irgendwie etwas. Leider waren die Kameras immer zu teuer für mich. Der 16mm-Film erstrecht. Und dann kam das digitale Zeitalter zum Film. Das Bolex D16-Konzept wurde bei Kickstarter gelauncht und inzwischen sind über 180.000$ beisammen. Bei 200.000$ gehts weiter mit diversen Mounts für Objektive. Der C-Mount ist Standard, BL-, Canon EF- & B4 soll es zusätzlich geben. Habe ich „Canon EF“ gelesen? JA!!! Ab 250.000$ wird die Software entwickelt, die aus den RAW- oder sagen wir den wirklich rohen Einzelbildsequenzen Video-Clips für die Bearbeitung erstellt. Die Kameras sollen als Serienproduktion dann 3.299$ kosten. Wenn das wahr wird…

Zur Technik:
  • Auflösung: 2048×1152 im super16-Modus, 1920×1080 im 16mm-Modus
  • Ausgabeformat: Einzelbildsequenzen in den Formaten Adobe Cinema DNG, Tiff oder JPG
  • Farbtiefe: 12 bit bei 4:4:4
  • Bildraten: bis 32 Bilder/s in 2K, 60 BIlder/s in 720p
  • Tonaufnahme: 2 Kanal 16bit, 48KHz per XLR-Eingänge
  • Viewfinder: LCD mit 320×240, 2,4″Diagonale mit Schärfe-Assistent
  • Video-Ausgang: 640×480 (HD-SDI per Zusatzmodul)
  • Speicher: Dual CF-Karten-Slot
  • ISO 100, 200, 400

Und nun schließt sich der Kreis zu Kodak: Der verbaute Sensor ist ein Kodak CCD-Sensor mit 12,85mm x 9,64mm Größe. Ein CCD-Sensor lässt alle Schwächen der CMOS-Sensoren aus DSLR´s „vermissen“. Das ist ein großer Vorteil. Die Auflösung von 2K reicht für digitale Kinoprojektion aus, die Farbtiefe ist hervorragend und lässt viel mehr Spiel für Farbkorrektur. Die drei einstellbaren ISO-Werte lesen sich etwas kümmerlich, doch verspricht man durch etwas größere Pixel eine weit höhere Dynamik von 12 Blenden, die es ermöglicht bis ISO 800 oder gar 1600 zu pushen ohne große Verluste. Ton per XLR ist ein weiterer großer Vorteil. Der Speicher wird eng. Jedes Bild soll je nach Format zwischen 2 und 3 Megabyte haben. Damit kommt man auf 8, vielleicht 10 Minuten Material bei einer 32GB großen CF-Karte. Und die Kosten natürlich. Die kleinen 16GB-Karten liefern also 4-5 Minuten. Fast wie zu alten 16mm-Zeiten.

Der kleine Spot „Storybook“ ist nicht nur super niedlich gemacht, sondern sieht auch sehr gut aus, wie ich finde.

Der einzige Nachteil, der mir direkt wieder einfällt ist die Sensorgröße. Natürlich kann man hier bei super16 nicht so schön mit Schärfentiefe arbeiten wie bei einer 5D Mark2, oder Mark3 neuerdings… Aber die liegt ja im Zweifelsfall bereit.

Die Macher

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von unabhängigen Filmemachern in den USA, Bolex liefert den Namen und den Charme der alten Kameras, Kodak den – nicht neuen – Sensor. Der Deal mit Bolex beinhaltet zur Zeit leider, dass die Kameras nur in den USA verkauft werden dürfen. Hier soll es Lösungen geben. Im Großen und Ganzen finde ich, dass dies ein sehr spannendes Projekt ist. Und ich würde mir diese Kamera sicher sofort zulegen, wenn sie es zur Marktreife bringt. Ich bin gespannt und beobachte. Und vielleicht kommt ja der Tag, an dem ich einen Fotoapparat nur ncoh dann auspacke, wenn ich fotografieren will!

Hier noch die Links zur

Kickstarter-Seite Bolex D16, zur Projekt-Seite und zu Vimeo, wo es schon einige Clips zum Projekt gibt.

Außerdem gibt es bei Philip Bloom einen Interview mit den Schöpfern des Bolex D16-Projekts, Elle Schneider und Joe Rubinstein, zu hören und weitere Infos. Stu Maschwitz liefert auf ProLost.com auch kritische Töne zu Kickstarter an sich und zu diesem Projekt. Und die hier wollen wir nicht vergessen! Aber die ist eben mit 7.700€ für den Body doch noch sehr viel teurer…